Weihrauch und Myrrhe mischen: eigene Räuchermischungen für den Winter
Die meisten räuchern ein Harz nach dem anderen - Weihrauch an einem Abend, Myrrhe am nächsten. Dabei lassen sich beide auch kombinieren, und gerade im Winter entstehen dabei oft interessante, wärmere Duftbilder als mit einem einzelnen Harz allein. Wer gerne selbst experimentiert, wird mit der Zeit ein Gefühl dafür entwickeln, welches Verhältnis zur eigenen Stimmung und zur Jahreszeit passt.
Wir bekommen dazu immer wieder Fragen, wie man beim Mischen am besten vorgeht, ohne am Ende nur einen undefinierbaren Geruch zu haben. Hier unsere Herangehensweise.
Warum Mischen überhaupt Sinn ergibt
Jedes Harz hat einen eigenen Charakter - manche wirken klarer und heller, andere erdiger und schwerer. Durch das Kombinieren lassen sich diese Eigenschaften ausbalancieren, sodass ein Duft entsteht, der weder zu leicht noch zu überwältigend wirkt. Das funktioniert allerdings nur, wenn man nicht einfach wild drauflos mischt, sondern mit einer klaren Grundidee startet.
Die Basis: ein Harz als Hauptnote wählen
Am einfachsten fällt der Einstieg, wenn du dich zuerst für eine Hauptnote entscheidest und alles andere nur in kleineren Mengen dazugibst. Weihrauch eignet sich dabei gut als Basis, weil er selbst schon vielschichtig genug ist, um andere Noten sinnvoll zu ergänzen, ohne von ihnen komplett überdeckt zu werden.
Weihrauch und Myrrhe kombinieren
Die klassische Kombination aus Weihrauch und Myrrhe funktioniert deshalb so gut, weil Myrrhe deutlich erdiger und dunkler ist als die meisten Weihrauchsorten. Zusammen entsteht ein Duft, der sowohl eine helle als auch eine schwerere, wärmere Seite hat - genau die Art von Kombination, die im Winter oft besonders stimmig wirkt.
Oman-Weihrauch als dritte Komponente
Wer noch eine dritte Note dazugeben möchte, kann etwas omanischen Weihrauch ergänzen. Er bringt eine klarere, fast zitrusartige Note mit ein, die den erdigen Charakter der Myrrhe etwas auflockert, ohne die Wärme der Mischung insgesamt zu verlieren.
Mengenverhältnisse zum Ausprobieren
Ein guter Startpunkt ist ein deutliches Übergewicht der Hauptnote, etwa zwei bis drei Teile Weihrauch auf einen Teil Myrrhe. Das lässt sich anschließend nach eigenem Geschmack anpassen - wer die erdige Seite stärker mag, erhöht einfach den Myrrhe-Anteil beim nächsten Versuch. Wichtig ist nur, sich die verwendeten Mengen kurz zu notieren, sonst lässt sich eine gelungene Mischung später nur schwer wiederholen.
Eigene Mischungen aufbewahren
Eine fertig gemischte Portion lässt sich genauso aufbewahren wie ein einzelnes Harz - am besten kühl, dunkel und in einem gut verschlossenen Gefäß. Wie du dabei am besten vorgehst, haben wir ausführlicher in unserem Artikel zum richtigen Lagern von Weihrauchharz beschrieben. Am besten direkt beschriften, um welche Mischung und welches Verhältnis es sich handelt.
Wenn eine Mischung nicht gefällt
Nicht jede Mischung trifft sofort den eigenen Geschmack, und das ist kein Grund, das Mischen gleich wieder aufzugeben. Oft hilft es schon, das Verhältnis beim nächsten Versuch nur leicht zu verändern, statt die Kombination komplett zu verwerfen. Falls dir das Mischen grundsätzlich zu aufwendig ist, sind unsere Weihrauch-Sets ohnehin schon eine durchdachte Kombination mehrerer Harze, ganz ohne eigenes Abmessen.
Die eigene Mischung mit Kohle statt Stövchen räuchern
Eine selbst zusammengestellte Mischung lässt sich nicht nur auf einem Stövchen, sondern genauso gut auf glühender Räucherkohle verwenden. Der Unterschied liegt vor allem in der Intensität: Auf Kohle entfaltet sich eine Mischung meist schneller und kräftiger als über der sanfteren Wärme eines Teelichts, was besonders bei einer noch unbekannten Mischung erst einmal mit einer kleineren Menge ausprobiert werden sollte. Bei der Dosierung auf Kohle empfiehlt sich anfangs eher weniger als bei einem Stövchen, weil sich die Hitze über der Glut schneller aufbaut und eine großzügig bemessene Mischung sonst schnell zu intensiv werden kann. Wie du Räucherkohle grundsätzlich richtig anzündest, haben wir Schritt für Schritt in einem eigenen Artikel beschrieben - die dortigen Hinweise zu Räuchersand als Unterlage gelten für eine Weihrauch-Myrrhe-Mischung genauso wie für ein einzelnes Harz. Wer noch unsicher ist, ob Kohle oder Stövchen besser zur eigenen Mischung passt, kann durchaus beides einmal mit derselben Mischung ausprobieren und den Unterschied direkt vergleichen.
Eine eigene Mischung verschenken
Eine selbst abgestimmte Weihrauch-Myrrhe-Mischung eignet sich auch gut als kleines, persönliches Geschenk, gerade wenn die beschenkte Person selbst schon räuchert und offen für etwas Individuelleres ist als ein fertiges Set. Am besten in einem kleinen, beschrifteten Gefäß verschenken, zusammen mit einem kurzen Hinweis auf das verwendete Mengenverhältnis, damit die Mischung bei Bedarf nachbestellt beziehungsweise nachgemischt werden kann. Auch für die eigene Sammlung lohnt es sich, gleich mehrere kleine Gefäße mit unterschiedlichen Mischverhältnissen anzulegen und zu beschriften, statt sich nach dem ersten gelungenen Versuch auf ein einziges Verhältnis festzulegen - so bleibt die Auswahl für unterschiedliche Anlässe und Stimmungen erhalten. Wird die Mischung direkt an Weihnachten gemeinsam ausprobiert, lohnt sich zusätzlich ein Blick in unseren Artikel zum sicheren Räuchern in der Weihnachtszeit, da an einem solchen Abend meist ohnehin schon zusätzliche Kerzen und Deko im Raum stehen.
Wer sich generell noch nicht sicher ist, welches Harz zu einem passt, findet in unserem großen Räucherharz-Guide für Einsteiger eine gute Ausgangsbasis, bevor es ans eigene Mischen geht. Und selbst wenn die erste eigene Mischung nicht auf Anhieb perfekt gelingt, bleibt am Ende doch ein Räuchererlebnis, das kein fertiges Produkt eins zu eins bieten kann.